Wien ist nicht das Zentrum der Mode, doch in den letzten Jahren hat sich so einiges getan. Für eine Unternehmensgründung in diesem Bereich dennoch kein leichtes Unterfangen. Garmz.com haben die anfänglichen Hürden gemeistert und steuern nun auf eine erfolgreiche Zukunft die kürzlich begonnen hat.
Blogette Maria Ratzinger ist im Garmz Team und hat mir über das ehrgeizige Projekt Auskunft gegeben.
Beginnen wir mit der Ausgangsituation. Wenn man heute ein Unternehmen gründen will benötigt man eine Idee, einen Businessplan und ein gutes Konzept. Ach ja, nicht zu vergessen, ein Startkapital sollte auch vorhanden sein sonst ist es bald wieder vorbei. Um nun an G.E.L.D zu kommen sind auch Förderungen in
unserem Land eine beliebte Möglichkeit und werden von vielen genutzt. Departure ist am Modesektor eine Förderstelle die in den letzten Jahren viele StartUps etc gefördert hat und andere haben eine Absage bekommen. Das trifft auch auf Garmz zu. Die Frage die sich mir nun stellte:
Warum eigentlich? Garmz füllt eine Lücke und oder sagen wir, ist der Missing Link in der Modeindustrie. Jeder kann zum Designer werden, sein Label gründen und wenn im Community Voting genügend Stimmen erzielt werden, startet Garmz die Produktion. Der Designer bestimmt selbst wie viel das ganze kosten darf und so weiter und sofort. Und auch wenn es bereits Konkurrenz gibt, das professionelle Auftreten am internationalen Parket sowie einen gut durchdachten Plan hat das Wiener Team um Tamàs Locher und Andreas Klinger und dennoch bekamen sie jede Menge Ablehnungen von AWS Impulse und Departure.

(Maria Ratzinger von stylekingdom.com ist im Marketing & Designer Betreuung von Garmz.com tätig | Foto: Michele Pauty)
Beginnen wir also das Interview mit Maria mit der Frage: Warum wird ein so gut durchdachtes Projekt bei Förderstellen abgelehnt, obwohl jeder Idiot den wirtschaftlichen Nutzen sowie die hohen Erfolgschancen erkennen kann?
Diese Frage kann ich dir natürlich nicht beantworten. Warum Departure fünf Mal abgelehnt hat, obwohl vieles nach ihren Wünschen adaptiert wurde, ist nicht nachvollziehbar. Mittlerweile darf Garmz gar nicht mehr einreichen. Aber wir haben private Investoren gefunden, die an unsere Vision glauben. Nach vorne schauen ist die Devise.
In der Tageszeitung DIE PRESSE war kürzlich ein Artikel zum Thema Modeförderung von Daniel Kalt, den man auch Online nachlesen kann. Wie stehst du zu der heimischen Situation?
Ehrlich gesagt kann sich jeder glücklich schätzen, der nicht darauf angewiesen ist. Man muss zwar hinzufügen, dass viele Länder überhaupt kein oder ein spärliches Fördersystem haben und wir darüber froh sein sollten. Wie „gerecht“ und nach objektiv wirtschaftlichen Kriterien allerdings dann die Fördergelder verteilt werden, die schließlich eine ernstzunehmende Modewirtschaft in diesem Land entstehen lassen sollen, ist ein anderes Thema.
Und wie habt ihr dann doch einen Investoren gefunden?
Durch die unermüdliche Arbeit unseres Teams, allen voran Tamàs und Andreas, die sprichwörtlich dafür durch die ganze Weltgeschichte gereist sind. Die beiden haben jetzt genug Geschichten für ihre Enkelkinder auf Lager. Zu den vielen Entstehungsgeschichten haben wir sogar bei The Gap eine Kolumne bekommen.
Du hast mir im Vorfeld gesagt das schon vor zwei Jahren die Idee zu Garmz kam. Wie bist du dann ins Team gekommen?
Durch den Fashion Blogger Day den ich mit dir veranstaltet habe, ist Andreas auf mich aufmerksam geworden. Er fand den Event toll und wünschte sich so einen kreativen Input auch bei Garmz.

Die Idee dahinter klingt sehr einfach. Designer laden ihre Designs hoch, User voten die besten Designs und Garmz produziert und verkauft das Ganze. Wie schwierig war die Umsetzung?
Es fühlt sich oft wie die Quadratur des Kreises an, denn es gibt wohl nicht sehr viele Plattformen, die eine Idee zu einem realen Produkt umsetzen. Sowohl von der technischen bis zur Prototypen- und Schnittabteilung gibt es unzählige Einzelschritte, die für den Ablauf koordiniert werden müssen. Die Modeproduktion ist sehr komplex und das ist das was wir unseren Designern abnehmen bzw. ermöglichen möchten.
Wir haben bereits mehrere Testruns gemacht. Von Modeschülern bis Amateure war alles dabei und beide Seiten waren davon begeistert. Ich bin schon sehr auf das erste Design gespannt, das im Webshop verkauft werden wird.
Es gibt mit UseABrand.com einen heimischen Anbieter der eine ähnliche Plattform betreibt, aber auch auf internationalem Feld tut sich immer mehr. (Ustrendy.com, Fashionstake.com etc.) Was unterscheidet Garmz von den genannten Unternehmen und anderen Konkurrenten?
Du hast absolut Recht. Es gibt im Moment eine größere Zahl ähnlicher Projekte im Internet. Wir finden viele gut. UseABrand ist toll. Aber wir möchten weitergehen, denn nicht alle stellen den großen Anspruch den wir erfüllen möchten. Garmz will Kreativen die Umsetzung des eigenen Labels und Ideen ermöglichen ohne dabei einen Stil aufzudrücken.
Gibt es im Vorfeld schon eine Selektion der Uploads? Oder besser gesagt…geht bei Garmz.com im Gegensatz zu UsTrendy die Qualität vor der Quantität?
Wir planen vorerst den Zugang offen zu halten und nach Upload minimal zu moderieren. Sollte sich hiermit in der Praxis Probleme zeigen, werden wir adaptieren. Die Qualität ist uns hierbei sehr wichtig. Natürlich haben wir einen Blick darauf ob Zeichnungen „lesbar“ sind, das heißt ob man genau erkennen kann, was damit gemeint ist und ob es der Person ernst ist. Sonst hat das ganze ja keinen Sinn.
Bis Ende Juli – Step 2 des Launchs – werden die Skizzen gesammelt und dann veröffentlicht. Soviel kann ich schon verraten: In den letzten Tagen nach dem Start haben wir viele Zeichnungen bekommen und deren Qualität hat uns positiv überrascht.
Eine Wiener Designerin hat mich kürzlich gefragt wie groß der Einfluss des Designer bei der Produktion ist. Die Frage kann ich gerne weitergeben.
Der Designer hat in allen Phasen des Prozesses die volle Kontrolle über sein Design und Label. Bevor wir einen Prototypen eines erfolgreichen Designs machen, klären wir vorab alle Details mit dem Designer. Erst dann fangen wir an umzusetzen. Den Prototypen bekommt der Designer zur Kontrolle zugeschickt und gibt sein Feedback.
Wer in der Modeindustrie arbeitet, weiß wie schwierig es ist sich ständig ändernden Stofftrends anzupassen. Generell sind Standard-Stoffe kein Problem, wird es spezifischer werden wir unser Bestes tun und stets in Rücksprache mit dem Designer die bestmögliche Lösung finden. Garmz hat aber mittlerweile sehr gute Kontakte zu Stoffhändlern.
Eines möchte ich noch hinzufügen: Das Copyright an Zeichnung und Idee verbleibt beim Urheber.

Modeschulen dürften ja besonders im Fokus von euch sein. Gibt es schon erste Einsendungen von Schüler & Studenten aus dem Wiener Umfeld Marke ‘Angewandte’?
Wir möchten besonders Modestudenten ansprechen und haben in Wien schon angefangen unser Netzwerk aufzubauen, welches 2010 noch weiter wachsen wird.
Zum Abschluss noch die obligatorische Frage. Wie sieht nun Garmz in fünf Jahren aus?
Da muss man natürlich fragen: Wie sieht die Modewelt in fünf Jahren aus? Das Internet wird dabei eine immer größere Rolle spielen und die Individualisierungstendenzen, weg von diktierten Trends haben Plattformen wie Garmz erst möglich gemacht.
Das positive Feedback nach dem Launch war enorm und nach so langer Zeit ein unglaublicher Push für uns. Das zeigt wie viele darauf gewartet haben und dementsprechend haben wir auch Erwartungen an unsere Zukunft.
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