9 festival – go international Talks
FASHION 2.0. so lautete das Thema der “go international Talks” welche im Rahmen des 9 festival for fashion & photography im Haus Wittgenstein statt fanden. JuliaChic war mit dabei um euch ihre Eindrücke zu schildern.
Fashion & E-Commerce Symposium
Anlässlich des Symposiums über die Besonderheiten von Modeunternehmen, die online operieren, haben sich einige Global Player der Branche in Wien eingefunden.

Die Britin Sarah Curran (links im Bild) ist Gründerin und CEO von my-wardrobe.com. Seit der Gründung im Jahr 2006 befindet sich die Seite auf Erfolgskurs. Die größte Zielgruppe sind Frauen, und seit kurzer Zeit auch Herren, in der Altersgruppe der Mittzwanziger. My-wardrobe.com befindet sich damit zwischen asos.co.uk, das sich vor allem auf jüngere Menschen konzentriert, und net-a-porter.com, zu dessen Zielgruppe vor allem Frauen der Gruppe 30+ gehören.
Stephanie Phair kann eine lange Karriere in der Modeindustrie vorweisen und ist derzeit Mitglied im Team von net-a-porter.com und vor allem dessen brandneuem Outlet-Store, theoutnet.com. Der Online-Store wurde erst vor wenigen Wochen gelauncht und ist dennoch schon sehr erfolgreich. Einzig das etwas schlechte Image von Outlet-Stores gilt es noch abzukratzen.
José Neves betreibt eine Boutique in Londons Saville Row und hat farfetch.com ins Leben gerufen: Ein Online-Store, der sowohl große Marken, als auch kleine Einzelunternehmen führt. Der Kunde kann aus drei verschiedenen Angeboten wählen: Luxe, Lab und Cult.
Geleitet wurde die Diskussion vom Branchenkenner Imran Amed, Betreiber von businessoffashion.com.
Alle drei Experten waren sich einig, dass Onlineunternehmen einen perfekter Costumer Service brauchen, um sich auf Dauer etablieren zu können. So arbeiten etwa im Kundenservice von my-wardrobe.com nur Personen mit einem Universitätsabschluss in Mode. Ebenfalls sehr wichtig ist die direkte Kommunikation mit den Kunden. So behauptet etwa Stephanie Phair von theoutnet.com, jeden Morgen sämtliche Feedback Mails zu lesen, die sie von Kunden erhält, um die Seite den Kundenwünschen entsprechend optimieren zu können. Alle drei meinen, dass es auch wichtig ist, den Kunden das Shoppen so einfach wie möglich zu machen: Dies beginnt bei der Gestaltung und Programmierung der Seite und geht bis hin zu guten Umtauschkonditionen.
Um Kunden an eine Seite zu binden, ist es auch notwendig, das Einkaufen so attraktiv wie möglich zu gestalten. Aus diesem Grund setzt man auch auf eigene Fashioneditorials – my-wardrobe.com bietet seinen Kunden sogar eigene Videosendungen. Auch die Interaktion mit der Blogger-Community ist sehr wichtig. Blogger fungieren oft als Opinion-Leader, weshalb die Betreiber von Onlineunternehmen auch auf deren Unterstützung angewiesen sind. José Neves trifft es auf den Punkt, wenn er behauptet, dass es ein langer Weg hin von einem Webtipp in einem Magazin bis zum tatsächlichen Besuch der Site ist. Im Internet hingegen ist man stets nur einen Klick davon entfernt, weshalb es für Online-Retailer besonders wichtig ist, ihre PR nicht auf den Printsektor zu versteifen.
Die berüchtigte Wirtschaftskrise nimmt natürlich auch vor Onlinehändlern nicht halt. So schildert Sarah Curran, dass Menschen in Zeiten der Krise vor allem auf solide Basics setzten. Sie investieren in Stücke, die sie über mehrere Jahre hinweg tragen können. It-Bags, so meint sie, seien Schnee von gestern, da Mode wieder mehr und mehr als Investition betrachtet wird. Aus diesem Grund spielt auch die Qualität der Produkte wieder eine größere Rolle als noch vor einigen Monaten. Dennoch sind Online-Retailer der einzige Bereich der Modebranche, der trotz Krise wächst: Ein starker Indikator für die Zukunft der Branche…
Fash Clash – Discussing the Digital Controversy
Am 6. Juni war es endlich soweit: Internationale Größen der (Fashion-) Bloggersphäre fanden sich in Wien ein, um die Vorteile und Schwierigkeiten von Fashion Blogging zu diskutieren.
(Foto von Sophie)
Die Gäste:
Susanna Lau, aka Susie Bubble, ist eine der wichtigsten Fashionbloggerinnen weltweit. Ihr Blog „Stylebubble“, den sie im Jahr 2006 aus purer Langeweile startete, wird täglich von 15.000 Menschen gelesen. Sie hat schon etliche Anfragen bezüglich Sponsoring und Werbung bekommen, lehnt dies aber kategorisch ab. Mit der Aussage, ihr Blog würde ihr als Plattform dienen, ihre „mind diarrhea“ loszuwerden, sorgte sie wohl für das Zitat des Tages.
(Foto von Fanfarella)
Panos Destanis von „Modabot“ bezeichnet sich selbst eigentlich nicht als Blogger, konnte aber dennoch interessante Beiträge zur Diskussion liefern. Modabot.de ist eine Nachrichtenagentur, die sich auf Meldung aus dem Bereich Mode spezialisiert: „Think Reuters for fashion“, so Panos. 1500 Menschen informieren sich hier täglich.
Diane Pernet ist eine richtige Superstar-Bloggerin. Nach einer Karriere als Designerin und als Mitarbeiterin bei den französischen Webauftritten von Vogue und Elle startete sie im Jahr 2006 ihren Blog „A Shaded View On Fashion“, der schon längst Kultstatus erreicht hat. 6000 Leser verfolgen täglich ihren Blog.
(Foto von Anna Frost)
Imran Amed von Business Of Fashion, der die Diskussion am Vortag geleitet hat, sprach am Samstag selbst über seine Erfahrungen als Blogger. Im Gegensatz zu den meisten anderen Blogs, die immer eine sehr persönliche Sicht der Dinge liefern, legt Amed großen Wert auf Quellentransparenz und Faktenkontrolle, um so objektiv wie möglich über die ökonomischen Aspekte der Modeindustrie zu berichten. Vor allem sein täglicher Newsletter erfreut sich großer Beliebtheit – 5000 Menschen, darunter auch etliche hochkarätige Persönlichkeiten, sind abonniert.
Julia Knolle von Les Mads ist die einzige der Runde, die von ihrem Blog leben könnte – LesMads wird nämlich von Burda Media unterstützt. Der deutsche Blog, der auch in einer englischen Version zu lesen ist, zählt monatlich 200.000 Besucher.
Birgit Kohl von der Zeitschrift Profil war die einzige Printjournalisten der Runde.
Die Diskussion wurde von Joachim Blessing geleitet.
Die Diskussion:
Eine der Hauptschwierigkeiten der Blogger liegt in der Finanzierung: Einerseits sind Firmen nur dann bereit, Geld auf den Tisch zu legen, wenn ihre Anzeigen auch möglichst viele Menschen erreichen. Es gibt allerdings nur wenige Blogs, die so viele Leser erreichen wie die oben genannten. Andererseits stellt das Akzeptieren von Anzeigen auch die Unabhängigkeit der Blogger in Frage. Sie wären gezwungen, ihre Anzeigenpartner positiv in ihren Artikeln zu erwähnen – ein Problem, dass etwa aus der Printbranche schon lange bekannt ist und auch nicht auf den Modebereich limitiert ist, sondern die ganze Entertainmentbranche betrifft.
(Foto von Anna Frost)
Allerdings ist es auch nicht das wesentliche Ziel von Bloggern, mit ihren Blogs Geld zu verdienen. Bloggen ist für sie eine Passion, ein Hobby.
Dennoch können Fashionblogger eine Bedrohung für Modemagazine darstellen: Infos sind heute auf Blogs viel früher zu lesen als in Magazinen. Ganz neue Magazine sind also meistens schon alt, weil die Leser die Neuigkeiten bereits Wochen zuvor im Internet erfahren haben. Allerdings wird es, laut Meinung der Blogger, Magazine auch weiterhin geben. Sie sollten sich allerdings mehr auf Editorials konzentrieren. Klassische Printjournalisten sind sich außerdem der Konkurrenz durch die Blogger bewusst, weshalb sie ihnen gegenüber oft negativ gestimmt sind.
(Foto von Teresa)
Alle Diskussionsteilnehmer sind sich einig, dass Blogger eine große Hilfe für die Modeindustrie sein können. Im Gegensatz zu den großen Zeitschriften und ihren Web-Auftritten unterstützen sie vor allem junge Talente, die, aufgrund fehlender Anzeigenschaltungen, kaum eine Chance hätten, in den klassischen Medien präsent zu sein. Schon der eine oder andere aufstrebende Star am Modehimmel hat seinen Erfolg Diane Pernet und ihren Bloggerkollegen zu verdanken…















Fashion & E-Commerce Symposium in Wien. Wußte gar nichts davon, dass so etwas statt findet. Danke für den informativen Artikel.
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