Interview: Stefan Siegel from Not Just a Label
Stefan Siegel hat den Schritt nach London sicher nicht bereut. Zusammen mit seinem Bruder gründete er Not Just A Label vor 3 Jahren um Jungdesigner eine Präsentations und Verkaufsmöglichkeit zu bieten. Mittlerweile zählt NJAL zu den wichtigsten am Globalen Modemarkt wenn es um das entdecken zeitgenössischer Mode geht. Im nachfolgenden Interview plaudert Stefan Siegel Kollaborationen, den österreichischen Modemarkt oder über den Ringstrassen Galerien Designer Award.

(Stefan Siegel, NJAL Gründer, in Paris)
Not Just A Label wurde 2007 gegründet, seit dem hat sich sehr viel getan. Wie seit ihr auf die Idee dazu gekommen und wie schwierig war es das ganze dann umzusetzen?
Junge aufstrebende Modeschöpfer stehen vor enormen Schwierigkeiten am Anfang ihrer Karriere. Unser Ziel war es ein zentrales Bindeglied innerhalb der Modeindustrie zu werden, mit dem Fokus dabei zeitgenössische Jungdesigner international zu präsentieren und Kollektionen einem globalen Publikum zu zeigen.
Die Idee hatten mein Bruder und ich gemeinsam. Die Modeindustrie steht dort wo die Musikindustrie vor 8-9 Jahren stand. In den letzten Jahrzenten hat sich in der Art wie das Modebusiness funktioniert nicht viel verändert, und mit NOT JUST A LABEL.com (NJAL) wollten wir einen grenzenlosen Raum schaffen, alte Denkmethoden sprengen und einen globalen Markt für Jungdesigner schaffen.
Die letzten zwei Jahre waren sehr hart, wir haben alles selbst finanziert und mussten Kraft finden um die Hürden welche uns von der etablierten Industrie gelegt wurden zu überwinden.
Und in Sachen Teamfindung? Wie schnell waren die richtigen Leute fürs Projekt gefunden?
Ich glaube man kann schnell Leute für etwas begeistern, aber diejenigen welche unsere Vision nicht teilten oder nicht den Mut hatten alle Energie in das Projekt zu stecken sind leider nicht mehr dabei. Mittlerweile sind wir ein gut eingespieltes Team bestehend aus den Gründern, unseren Mitarbeitern in London sowie ein Netzwerk an Designer-Scouts und Redakteure welche auf die aufregendsten Städten dieser Welt verteilt sind.

(www.notjustalabel.com/lenka_padysakova)
Gab es ein bestreben in Österreich zu bleiben und hier zu arbeiten oder war London das „must“ um das Projekt auch mit Erfolg umsetzen zu können?
Das war eine kritischer Punkt bei der Firmengründung, da wir mit unserem Startkapital zum Beispiel in Wien oder Berlin alles etwas einfacher gehabt hätten. Im Endeffekt war uns aber eine Stadt lieber in welcher die Antwort auf eine neue aufgefallene Idee meist „why not!“ war, anstatt immer nur „why, why, why“. Die Einstellung gegenüber neuen Ideen und Trends ist in London einfach eine andere, und die Leute nehmen sich alle nicht so furchtbar ernst…
Wie schätzt du die Lage der österreichischen Mode im neuen Jahrzehnt ein?
Super! Peter Pilotto, Ute Ploier, Marios Schwab, Anna Aichinger, And_i, Awareness & Consciousness, Petar Petrov… und viele mehr. Könnte nicht besser sein, nur muss man sie in Österreich glaube ich erst kennen lernen und zu schätzen wissen.
Findest du dass die Mode Events „Festvial for fashion and photography“ sowie „MQ Fashion Week“ co-exestieren können?
Diese Frage wurde mir vor einem Jahr gestellt, und ich hab gesagt Wien ist die einzige Stadt welche sich vier verschiedene Fashion Weeks/Festivals leisten kann: Unit-f’s Festival, MQ Fashion Week, Ringstrassen Award und der Modepalast. Ich glaube man sollte alles zu einem super Event zusammengeben, und jedem einen ganz spezifischen Bereich der Mode überlassen. Nur so kann man sich auch international als Modestadt etablieren.
Not Just a Label ist vor allem auch durch Korporationen mit Musik Acts wie Lady Gaga oder Models wie Lara Stone bekannt, wo diese ihre Lieblingsstücke aus dem Sortiment ausgewählt haben. Wie wichtig siehst du diese Art von Korporationen?
Man kann zu ‚Celebrities‘ stehen wie man will, aber sie sind heutzutage die Meinungsführer unserer Konsumgesellschaft. Die Persönlichkeiten mit welchen wir zusammengearbeitet haben waren alle bereit sich für junge Modedesigner einzusetzen und dem Konsumenten zu zeigen dass es eine Alternative zu den Haupteinkaufsstrassen gibt, und deshalb sind wir alle sehr dankbar für diese grossartige Unterstützung.
Und wie kommen sie zustande?
Wir hatten im Sommer eine Liste von Persönlichkeiten erstellt welche gute Botschafter für NJAL und unsere Designer sein würden. Viele davon waren sofort von der Idee begeistert, und andere standen schon mit einigen unserer Designer in Kontakt. Wichtig ist zu sagen dass alle Kuratoren bei uns freiwillig mitgemacht haben.
Apropos Kooperation. Der Ringstrassen Galerien Designer Award wird heuer zum ersten Mal von NJAL präsentiert, was kann man sich davon erwarten und wie kam es zustande?
Präsentiert ist übertrieben. Die Organisatoren wollten dieses Jahr den Preis international aussschreiben um der Veranstaltung einen neuen Elan zu geben, und mit 3,000 Designern auf 78 Ländern dieser Welt waren wir daher die beste Anlaufstelle. Wir hoffen nun dass die Jury bei den ganzen Bewerbungen jetzt auch internationale Talente nach Wien holt.
Wo liegt das Augenmerk bei den Designs?
Kreativität, Qualität und Auswahl der Materialien. Jungdesigner haben die Möglichkeit Bekleidungsstücke zu entwerfen welche für ein grösseres Label unwirtschaftlich und bei hohen Stückzahlen nicht rentabel sind. Deshalb unterstützen wir Designer, welche ihrer Kreativität freien Lauf lassen, ganz besonders.
Gibt es Designer die du besonders schätzt?
Ja, heute sind es genau 2.936 davon J
Die Fashion Week kommt auch immer näher. Was kann man von NJAL erwarten. Wird es wieder einen Pop Up Store geben?
Wir arbeiten momentan an zwei grossen Projekten welche hoffentlich im Frühjahr lanciert werden. „Pop-Up Store“ war das Modewort des vergangenen Jahres, bei NJAL schaffen wir neue Trends, wir laufen keinen hinterher.
Die Wirtschatfskrise hat auch in der Modeindustrie Spuren hinterlassen. Wie ist es NJAL dabei ergangen?
Ich denke eine Rezession ist eine besondere Chance für kleine Unternehmen welche sich in einem neuen Markt befinden. Generell präsentiert sich die Modeindustrie heuer als schlankeres Business: Entschleunigung der Mode, Biobaumwolle und nachhaltige Produktion sowie eine breitere Unterstützung für Jungdesigner sind Themen für 2010 und für die Zukunft; und auch die Ziele für NJAL.
Ich habe in einem Interview gelesen das auch die USA und Asien für NJAL interessant sind. Wie sehen die Pläne dahingehend aus?
USA und Asien sind jetzt schon unsere Hauptmärkte für den Online Store. Wir werden in Zukunft unsere Verbindungen zu den bekannten Modeschulen weiterhin aufbauen und wollen in Zukunft auch stärker präsent sein. Nicht zu vernachlässigen sind aber interessante Märkte wie Brasilien, Indonesien und Russland.
Und was kann man sich von NJAL in der frischen Dekade so erwarten?
Ich hoffe dass wir es dieses Jahr schaffen die breite Masse zu überzeugen, Jungdsesigner zu unterstützen. Ein Kleidungsstück von einem Jungdesigner entsteht in kleinen lokalen Produktionsstätten, man besitzt etwas was wenige andere tragen und mit ein wenig Glück entpuppt sich der Kauf auch zu einer Investition in einen Designer von dem wir noch viel hören werden. Der Konsument muss sich bewusst werden dass es eine Alternative gibt, Individualismus ist der neue Luxus!
Danke fürs Interview:)















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